Was ist ein Tennisellenbogen oder Golferellenbogen?

Normalerweise entwickelt sich ein Tennisellenbogen oder Golferellenbogen allmählich oder bisweilen infolge eines Unfalls (Sehnenriss). Durch wiederholte Überlastung entstehen kleine Risse am Ansatz der Skelettmuskulatur. Beim Tennisellenbogen treten diese Risse an der Außenseite des Ellenbogens auf, was die Streckmuskulatur des Handgelenks betrifft. Beim Golferellenbogen treten diese Risse an der Innenseite des Ellenbogens aus, was die Beugemuskulatur des Handgelenks betrifft. Drei von hundert Erwachsenen sind von einem Tennisellenbogen betroffen. In 50 % aller Fälle heilt der Tennisellenbogen im Laufe einiger Wochen bis Monate auf natürliche Weise von selbst aus. Im Falle der übrigen 50 % ist eine Behandlung erforderlich. Ein Golferellenbogen ist siebenmal weniger verbreitet. Der Beginn und Verlauf eines Golferellenbogens stimmt praktisch mit dem eines Tennisellenbogens überein.

Geschichte des Tennisarms

Generell ist zwischen zwei Ursachen zu unterscheiden:
1Kurzfristig intensive Belastung der Unterarmmuskulatur (Handstrecker)
Obwohl häufig eine starke Überlastung als Ursache von Tennisellenbogen in der Literatur beschrieben wird, ist dies selten der Fall. Es kann dennoch vorkommen, dass ungewöhnliche Belastung schließlich zu einem Tennisarm führen kann. Der asymptomatische Tennisarm wird symptomatisch. Dieses Phänomen ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass Sehnen- und Muskelgewebe kleine Risse (Mikrotraumata von Kollagenfasern) aufweisen, die relativ harmlos und schmerzfrei sind. Jedoch verläuft der Heilungsprozess von Bindegewebe und reaktiven Zellen (Entzündung) nach mikroskopischem Maßstab. Die elastischen Strukturen in Muskel- und Sehnengewebe sollen Platz für festeres, unflexibles Gewebe schaffen. Hierdurch werden unserer Auffassung nach die sensorischen Informationsbereiche (die Informationen, welche mittels Muskel- und Sehnensensoren an das Gehirn weitergeleitet werden) ebenfalls beeinflusst und falsche Informationen an das Gehirn weitergeleitet. What fires together, wires together! Das Gehirn reagiert wiederum mit einer abnormen Reaktion und sendet übermäßig viele Impulse an die Muskeln (die Muskulatur wird im eigentlichen Ruhezustand übermäßig angespannt). Der Teufelskreis wird in Gang gesetzt, wodurch der Muskel schließlich Zustand 2 erreicht. Der Sehnenansatz schmerzt wegen der unterschiedlichen Prozesse, die rund um die Sehne ausgelöst werden und Schmerzen bewirken. Das Ergebnis ist ein Tennisarm.
2Längere (relativ) kleine Belastung der Unterarmmuskulatur (Handstrecker)
Ein Tennisarm entsteht nicht von einem Tag auf den anderen. Die Sehnenstruktur der meisten Patienten war wahrscheinlich auch vorher schon nicht optimal. Normalerweise findet eine andauernde, einseitige Belastung über Monate hinweg kontinuierlich statt. Infolge der erzwungenen Beanspruchung dieser Muskulatur, treten Veränderungen im Muskel- und Sehnengewebe auf, welche die normale Funktionsweise dieser Strukturen beeinträchtigen. Muskelfasern (Zellen) und intermuskuläre Verbindungen, lockeres Bindegewebe und Faszien verändern allmählich ihre Struktur bis von einer sogenannten „Fibrose“ die Rede ist. Obwohl die Bezeichnung Fibrose (Bindegewebe) nicht korrekt ist, lässt sich feststellen, dass die Zellstruktur versucht, sich an die für diese Muskeln und Sehnen gewohnte Funktionsweise anzupassen. Das heißt, es wird eine leichte, kontinuierliche Anspannung dieser Muskeln erwartet, obwohl die Muskulatur hierzu nicht in der Lage ist. Dies hat letztlich nachteilige Auswirkungen auf das Muskel- und Sehnengewebe, da auf die Anspannung keine Entspannung folgt. Es lässt sich ebenfalls feststellen, dass sich die Struktur des Sehnengewebes verändert. Daher zeigt der Tennisarm eine typischerweise erhöhte Grundspannung der Unterarmmuskulatur. Es ist so, als ob sich die Muskeln dauerhaft in einem leichten Zustand der Anspannung befinden. Die Qualität des Muskel- und Sehnengewebes nimmt ab, wodurch Fibrose und Abbau (Degeneration) gefördert werden. Die Sehne wird zu lange beansprucht und weist schließlich leichte „Entzündungssymptome“ auf. Die Ärzte sprechen hierbei von einer Tendinose. Diese Phase dauert nur ein paar Wochen an und geht dann in die Phase der Tendinose über. Eine Tendinose ist im Falle eines Tennisarms eine Sehnendegeneration ohne entzündliche und klinische Symptome. Die drei grundlegenden Eigenschaften einer Tendinose sind:
  1. vergrößerte Fibroblasten
  2. Neovaskularisation
  3. abnorme Kollagenproduktion
Bei näherer Untersuchung ist ein erhöhtes Einwachsen von Blutgefäßen und Nervenenden zu erkennen und eine erhöhte Konzentration von Schmerzmediatoren feststellbar. Dies erklärt, warum „tendinotische“ Sehnen Schmerzen verursachen. Die Ausrichtung der Kollagenfaserstruktur ist verworren. Es findet eine Erhöhung der Matrix (Grundsubstanz) zwischen den Fasern statt, wodurch diese auseinandergedrückt werden und die Sehne etwas dicker wird.